Symptomatik von Depersonalisation und Derealisation bei Entfremdungserleben und Unwirklichkeitsgefühlen

Viele Menschen leiden unter Entfremdungserlebnissen und Unwirklichkeitsgefühlen. Sie fühlen sich abgespalten von sich selbst und der Umwelt. Es ist allerdings sehr häufig, dass Entfremdungserlebnisse und Unwirklichkeitsgefühle auch mit Beeinträchtigungen in anderen Bereichen einhergehen.

Die Beeinträchtigungen, unter denen Menschen mit Entfremdungserleben leiden, können in 7 große Gruppen eingeteilt werden.

Veränderungen im Körpererleben/Ich-Erleben

Bei den meisten Menschen, die unter Entfremdungserlebnissen oder Unwirklichkeitsgefühlen leiden, ist das Erleben des eigenen Körpers oder des Ichs verändert.

Der eigene Körper wird als fremd erlebt, nicht zugehörig. Manchmal wird der Körper auch als unwirklich erlebt, so als wäre er gar nicht da. Daraus kann das Gefühl entstehen, wie ein Automat oder Roboter zu handeln ohne wirkliche innere Beteiligung.

Manche Betroffene haben Schwierigkeiten, sich selbst im Spiegel zu erkennen.

Die Körpergrenzen können verschwimmen und Betroffene haben dann Schwierigkeiten, zu definieren, was noch zu ihrem Körper gehört und was nicht. Manche Menschen mit Entfremdungserlebnisse beschreiben regelrechte außerkörperliche Erfahrungen. Sie sehen sich von oben oder nehmen sich als doppelte Person wahr.

Typische Aussagen:

„Ich kann mich gar nicht mehr richtig im Spiegel erkennen. Wer ist das, der mir da entgegenblickt?“

„Ich habe das Gefühl, ich reagiere nur wie ein Roboter. Das alles macht gar keinen Sinn mehr für mich.“

Beeinträchtigungen der Sinneswahrnehmungen

Viele Menschen, die unter Entfremdungserlebnissen oder Unwirklichkeitsgefühlen leiden, beschreiben auch Beeinträchtigungen in den Sinneswahrnehmungen.

In erster Linie ist bei vielen das Sehen betroffen. Die Betroffenen haben das Gefühl sie blickten „von weiter weg“ auf das Geschehen. Das Sichtfeld ist eingeschränkt, Betroffene haben einen Tunnelblick, sehen Punkte oder Flecken vor den Augen. Auch das perspektivische Sehen kann erschwert sein, daher fühlen sich viele Betroffenen unsicher im Straßenverkehr. Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Dunkelheit verstärkt sich bei vielen die Symptomatik.

Auch der Hörsinn kann beeinträchtigt sein, so dass Geräusche nur noch dumpf klingen. Oft klingt sogar die eigene Stimme verändert.

Ebenso kann das Fühlen, Spüren oder auch Schmecken eingeschränkt sein. Berührungen können nur noch schwer gespürt werden, das Essen schmeckt fad.

Typische Aussagen:

„Ich habe das Gefühl, ich bestehe nur aus Augen. Ich spüre nur meine Augen. Sonst ist nichts da. Nur meine Augen!“

„Seit die Symptomatik da ist, klingt meine Stimme ganz fremd. Oft kann ich sie nicht erkennen, wenn ich spreche. Ich frage mich dann, wer ist das?“

„Wenn ich mit meiner Freundin intim bin, spüre ich nichts. Ich weiß, sie macht irgendwas an meinem Körper, aber es dringt nicht zu mir durch.“

Körperliche Beschwerden

Viele Menschen mit Entfremdungserleben oder Unwirklichkeitsgefühlen leiden an einer ganzen Reihe von körperlichen Beschwerden. Am häufigsten kommen Kopf- und Augenschmerzen vor. Dies hängt vor allem mit den Beeinträchtigungen der Sinne zusammen, da die Betroffenen große Anstrengungen unternehmen müssen, um trotzdem leistungsfähig zu bleiben. Auch Erschöpfung und Müdigkeit sind sehr häufig. Viele beschreiben zusätzlich Schwindel, Übererregung oder Panikattacken.

Typische Aussagen:

„Mir tut immer irgendwas weh. Meistens der Kopf und die Augen!“

Emotionale Einschränkungen

Bei vielen Menschen, die dauerhaft oder immer wieder Entfremdungserlebnisse oder Unwirklichkeitsgefühlen haben, ist das emotionale Erleben deutlich eingeschränkt. Gefühle können nur noch gedämpft oder sogar überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden. Damit geht oft ein Verlust an Lebensfreude einher.

Typische Aussagen:

Das Leben macht mir keinen Spaß mehr. Wie soll es auch Spaß machen, wenn einem alles egal ist?“

 (Irrationale )Ängste

Entfremdungserlebnisse oder Unwirklichkeitsgefühle zu haben, kann große Angst machen. Viele Betroffene beschreiben die Angst, verrückt zu werden oder innerlich zu zerfallen. Andere fürchten, in der Gegenwart von Menschen die Kontrolle zu verlieren oder nie wieder aus diesem unangenehmen Zustand aufzuwachen.

Typische Aussagen:

„Ich habe Angst davor, dass ich mich irgendwann auflöse. Dass ich irgendwann gar nicht mehr da bin. Die Symptomatik wird mich ganz auffressen. Daher muss ich immer gegen sie kämpfen, um zumindest noch ein bisschen da zu sein.“

Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit

Betroffene von Entfremdungserlebnissen oder Unwirklichkeitsgefühlen leiden häufig unter Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit. Hierzu gehören gedankliche Unruhe, Konzentrationsprobleme und Einschränkungen in der Merkfähigkeit. Manche erleben einen regelrechten „brain fog“, einen Nebel im Gehirn.

Grübeln und Gedankenkreisen sind sehr häufig. Warum bin ausgerechnet ich betroffen? Wird das je wieder weggehen? Etc.

Auf Dauer führen die kognitiven Beeinträchtigungen bei vielen Betroffenen zu einer lähmenden gedanklichen Müdigkeit und Motivationslosigkeit.

Typische Aussagen:

„Es ist so schwierig für mich, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Ich versuche es ja, aber es gelingt mir nicht. Je länger ich mich konzentrieren muss, desto schwieriger. Hinterher bin ich todmüde.“

Verändertes Erleben der Außenwelt

Ebenso wie der eigene Körper oder das eigene Ich bei vielen Menschen mit Entfremdungserleben oder Unwirklichkeitsgefühlen verändert wahrgenommen werden, so ist dies auch bei der Außenwelt der Fall. Die Umwelt und andere Menschen werden als fremd, „weiter weg“ oder als unwirklich erlebt. Es ist als ob die Welt eine große Bühne und die Menschen nur Schauspieler in dieser wären.

Auch die Dimension der Zeit kann verändert sein. Betroffene erleben die Zeit schneller oder langsamer.

Typische Aussagen:

„Ich kenne mich nicht mehr aus. Alles wirkt fremd auf mich. Manchmal sogar meine eigene Wohnung. Wie soll ich mich noch zurecht finden?“

„Die Zeit rast dahin. Ich kann ihr nicht folgen. Die Tage verfliegen und ich hab wieder nichts gemacht.“

 

Eine Übersicht zu den 7 Gruppen der Beeinträchtigungen bei Entfremdungserlebnissen oder Unwirklichkeitsgefühlen finden Sie in der folgenden Infografik.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

code