Auftreten von Depersonalisation und Derealisation in der Gesamtbevölkerung

Gefühle von Entfremdung und Unwirklichkeit sind häufig

Entfremdungsgefühle und Unwirklichkeitserleben kommen sehr häufig vor, man kann sie geradezu als normal beschreiben. Etwa 80% aller Menschen erleben hin und wieder kurze Episoden von Depersonalisation oder Derealisation.

Chronische Form

Treten Unwirklichkeitsgefühle und Entfremdungserlebnisse immer wieder in störender Art und Weise auf oder bestehen solche Gefühle sogar über einen längeren Zeitraum hinweg, so kann von einer chronischen Ausprägung gesprochen werden. Hiervon sind nach Studien (Hunter et al. 2004; Michal et al. 2005, 2015) etwa 1-2 % der Gesamtbevölkerung betroffen. Das ist jeder 100. bis 50. Mensch, also gar nicht so wenige Personen.

Zum Vergleich: Auch von Anorexie ist etwa jede 100. Person in der Gesamtbevölkerung betroffen.

Frauen und Männer gleich betroffen

Im Unterschied zu vielen anderen psychischen Erkrankungen wie etwa Angsterkrankungen oder Depressionen, bei denen Frauen klar deutlich mehr betroffen sind, leiden Frauen und Männer gleich häufig unter Unwirklichkeits- oder Entfremdungsgefühlen.

Bei chronischem Entfremdungserleben ist zudem ein sehr junger Erkrankungsbeginn, meist in der Pubertät, typisch. Depersonalisation oder Derealisation können schleichend beginnen, so dass die Betroffenen später Schwierigkeiten haben, den genauen Beginn zu benennen oder auch plötzlich („wie wenn ein Lichtschalter ausgegangen wäre“) beginnen.

3 verschiedene Arten chronischer Depersonalisation oder Derealisation

Es gibt 3 verschiedene Arten, wie sich chronische Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle zeigen können:

  • Die Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle treten zu einem bestimmten Zeitpunkt auf und bleiben ohne Unterbrechung über einen langen, bis sehr langen Zeitraum bestehen (1/3 der Betroffenen).
  • Depersonalisation oder Derealisation beginnt schleichend, geht aber im Lauf der Zeit in einen dauerhaften Zustand über (1/3 der Betroffenen).
  • Unwirklichkeits- oder Entfremdungsgefühle treten dauerhaft in Phasen auf, tauchen also auf und verschwinden dann auch wieder für eine Zeitlang (1/3 der Betroffenen).

 

Chronische Formen nicht einfach hinnehmen!

Wenn Sie von einer der hier aufgelisteten chronischen Formen von Unwirklichkeits- oder Entfremdungserleben betroffen sind, dann müssen Sie dies nicht einfach hinnehmen. Werden Sie aktiv!

Unbehandelte chronische Depersonalisation oder Derealisation geht nur in wenigen Fällen einfach so wieder vorbei. Im schlimmsten Fall hält das Geschehen jahrzehntelang an und verursacht viele Probleme im Leben der Betroffenen: Soziale Isolation, Herausfallen aus dem Arbeitsalltag, die immer weitere Verkleinerung des Handlungsspielraums der Betroffenen.

Es ist daher notwendig, dass die Betroffenen etwas gegen die störenden Symptome unternehmen. Dies kann in Form von Selbsthilfe, aber auch innerhalb einer Psychotherapie geschehen.

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