Entfremdungs- und Unwirklichkeitsgefühle als psychische Erkrankung oder Störung? 

Viele Menschen, die immer wieder Gefühle von Depersonalisation oder Derealisation haben, fragen sich, ob sie wohl unter einer psychischen Erkrankung leiden.

ICD-10 F48.1

Depersonalisation und Derealisation kommen tatsächlich im ICD-10, der Internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten (International Statistical Classification of Diseases) vor. Hier unter dem Punkt F48.1.

Dort heißt es:

Depersonalisations-Derealisationssyndrom

A: Entweder 1 oder 2:

1: Depersonalisation: Die Betroffenen klagen über ein Gefühl von entfern sein, von „nicht richtig hier“ sein. Sie klagen z.B., darüber, dass ihre Empfindungen, Gefühle und ihr inneres Selbstgefühl losgelöst seien, fremd, nicht ihr eigen, unangenehm verloren oder, dass ihre Gefühle und Bewegungen zu jemand anderem gehören scheinen, oder sie haben das Gefühl, in einem Schauspiel mitzuspielen.

2: Derealisation: Die Betroffenen klagen über ein Gefühl von Unwirklichkeit. Sie klagen z.B. darüber, dass die Umgebung oder bestimmte Objekte fremd aussehen, verzerrt, stumpf, farblos, leblos, eintönig und uninteressant sind, oder sie empfinden die Umgebung wie eine Bühne, auf der jedermann spielt.

B: Die Einsicht, dass die Veränderungen nicht von außen durch andere Personen oder Kräfte eingegeben wurde, bleibt erhalten.

Wichtig ist subjektives Leid

Die Definition nach dem ICD-10 macht deutlich, dass Phänomene von Depersonalisation oder Derealisation tatsächlich ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung sein können.

Wie bei anderen psychischen Erkrankungen auch, so ist es auch hier notwendig, dass die Betroffenen sich von den Symptomen beeinträchtigt fühlen müssen. Das ist zumeist der Fall, wenn Unwirklichkeits- oder Entfremdungsgefühle immer wieder auftreten oder über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleiben. Es muss also ein subjektiver Leidenszustand vorhanden sein.

 

Literatur zum Nachlesen:

Dilling, H. & Freyberger, H. (2017). ICD-10. Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. Göttingen: Hogrefe, S. 199f.

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