Was kann Unwirklichkeitsgefühle und Entfremdungserleben auslösen?

Viele Menschen, die Entfremdungs- oder Unwirklichkeitsgefühle haben, fragen sich, wie diese ausgelöst werden.

In welchen Situationen können Depersonalisation oder Derealisation auftreten?

Depersonalisation und Derealisation sind normal und häufig

Grundsätzlich gilt: Gefühle von Depersonalisation oder Derealisation sind sehr häufig. Die meisten Menschen erleben solche Zustände hin und wieder in ihrem Leben. Das ist nichts Ungewöhnliches! Wie oft hört man den Ausspruch „Jetzt stehe ich gerade irgendwie neben mir!“

Faktoren für das kurzzeitige Auftreten von Entfremdungsgefühlen und Unwirklichkeitserleben

Es gibt eine ganze Reihe an Faktoren, die Unwirklichkeitsgefühle und Entfremdungserleben auslösen können.

Dazu gehören Stoffe, die auf den Körper einwirken wie Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente.

Tranceähnliche Zustände wie Meditation oder sich wiederholende Bewegungen, eintönige Aktivitäten.

Körperliche oder psychische Stresszustände wie Schlafdefizit, Lärm, grelles künstliches Licht, fremde Umgebung, Reizüberflutung, Phasen starker Belastung.

Situationen, die starke Emotionen hervorrufen wie lebensbedrohliche Situationen.

Oder auch körperliche Zustände wie hormonelle Schwankungen, im Zuge von einem Auraerleben vor Migräne oder epileptischen Anfällen.

In den meisten Fällen klingen Unwirklichkeitsgefühle und Entfremdungserleben wieder ab, sobald die Person die Situation verlassen hat oder etwas Zeit vergangen ist.

Auslöser für anhaltendes Unwirklichkeitserleben oder Entfremdungsgefühle

Leider gehen Gefühle von Depersonalisation und Derealisation nicht immer nach kurzer Zeit wieder von selbst weg. Manchmal halten sie über einen längeren Zeitraum an oder treten immer wieder in störender Art und Weise auf.

Was können die Auslöser für länger anhaltende Entfremdungserlebnisse oder Unwirklichkeitsgefühle sein?

 

Nicht immer lassen sich für länger andauernde oder immer wieder auftretende Entfremdungsgefühle oder Unwirklichkeitserleben konkrete Auslöser finden.

Studien (Baker et al. 2003; Medford et al. 2003; Michal et al. 2009b) haben gezeigt, dass sich in ca. 50% aller Fälle von langanhaltender Depersonalisation oder Derealisation kein konkreter Auslöser finden lässt.

Bei den anderen 50% werden länger anhaltende Entfremdungsgefühle oder Unwirklichkeitserlebnisse vor allem durch den Konsum illegaler Drogen (v.a. Marihuana) und massive emotionale Belastungen ausgelöst.

Zu den emotionalen Belastungen gehören:

  • Geistige und/oder körperliche Überforderung
  • „In ein Loch fallen“ nach einer herausfordernder Phase, z.B. nach einer anstrengenden Prüfungszeit
  • Anhaltende Einsamkeit
  • Das Gefühl, allein zu sein ohne Unterstützung
  • Beengende Lebensverhältnisse
  • Unfähigkeit, sich aus etwas befreien zu können, z.B. einer schädigenden Beziehung
  • Traumatisierung
  • Ausgeprägte Angst vor dem Tod

Bei manchen Personen verfestigen sich durch solche Auslöser Gefühle von Depersonalisation oder Derealisation und bleiben dauerhaft bestehen oder treten immer wieder in beeinträchtigender Weise auf.

Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren

Natürlich ist es hilfreich zu wissen, wodurch störende Unwirklichkeits- oder Entfremdungsgefühle ausgelöst worden sind.

Zielführender zur Überwindung dieser Zustände ist es allerdings, zu wissen, wodurch diese Gefühle aufrechterhalten werden, was also dazu beiträgt, dass sie nicht wieder verschwinden.

Dies stellt auch einen zentralen Aspekt in einer psychotherapeutischen Behandlung solcher Symptome dar.

 

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